25704 Meldorf 2020 - Gemeinschaftsschule Meldorf

Gedenkstätte Gudendorf – DENKmal, FÜHLmal, Erinnere(dich)mal

Projektziel – Projektinhalt – Hintergrund

Die Gedenkstätte Gudendorf ist Schleswig-Holsteins wichtigste Begräbnisstätte sowjetischer Kriegsgefangener. In Gudendorf wurde bald nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Auf einer Fläche von rund einem Hektar standen an der heutigen Schulstraße Baracken, in denen die sowjetischen Kriegsgefangenen untergebracht wanden. Das Lager gehörte zum STALAG (Stammlager) XA Schleswig. Zwischen 1941 und 1945 wurden sowjetische Kriegsgefangene, die in der näheren und weiteren Umgebung den Tod fanden nach Gudendorf gebracht, wo Massengräber ausgehoben wurden.

Außerdem wurden an der Straße nach St. Michaelisdonn in der Nähe von Hindorf Baracken aufgestellt, die als Krankenrevier dienen sollten. Der Volksmund gab ihnen den Namen „Seuchenbaracken“. Ursprünglich waren sie für polnische und sowjetische Kriegsgefangene gedacht, unter denen wegen der unzureichenden hygienischen Zustände Fleckfieber ausgebrochen war. In den Krankenstationen taten eine russische Ärztin und eine russische Apothekerin Dienst. Dramatisch verschlechterte sich die Situation durch Verlegung des Erweiterten Krankenreviers des Stammlagers XA von Heidkaten bei Kaltenkirchen nach Gudendorf im April 1944. Anzunehmen ist, dass der größte Teil der im Gudendorfer Massengrab liegenden Toten aus dem „Krankenrevier“ stammte.

Bis heute gibt es auch keine genauen Angaben über die Zahl der Opfer, die in Gudendorf liegen. Bis heute kennt keiner genau alle Plätze, wo sie bestattet worden sind. Erst nach und nach werden nach Recherchen des Zentralen Archivs des Verteidigungsministeriums in der der Russischen Föderation in Podolsk auch die Namen der Toten bekannt. Die britische Militärregierung hat gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Hitlerfaschismus die Einrichtung eines Ehrenfriedhofs für alle sowjetischen Kriegsgefangenen angeordnet, die infolge völlig unzureichender Ernährung, menschenunwürdiger Behandlung, rücksichtsloser körperlicher Ausbeutung im Arbeitseinsatz und durch gezielte Ermordung den Tod gefunden haben.

Die heutige Gedenkstätte befindet sich in einem aufgeforsteten Dünengelände, Die gleichmäßig großen, linienförmigen Flächen deuten Grabfelder an. Das erste wurde leer gelassen und weist auf die zunächst unbekannten toten Soldaten hin, die in dem Dünengelände vergraben wurden. In den beiden anderen Feldern liegen 248 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die nach dem Kriege von anderen Friedhöfen der Umgebung nach Gudendorf umgebettet wurden.

Das Ehrenmal schuf der Bildhauend Siegfried Assmann aus Großhansdorf (Kreises Stormarn). Es wunde im Frühjahr 1961 fertig gestellt. In die 11 Meter hohe Stele wunde die Figur des Fährmanns Charon aus der griechischen Mythologie eingearbeitet, der die Seelen der Verstorbenen über den Grenzfluss Acheron zur Unterwelt rudert. Die Fahrtrichtung des Bootes führt direkt auf die Besuchenden zu, wenn sie sich dem Mahnmal nähern.

Um den Ehrenfriedhof Gudendorf zu erhalten und die Stätte nicht in Vergessenheit gerät, hat sich 1983 die „Initiative Blumen für Gudendorf“ gegründet. Im Januar 2020 nahmen anlässlich des Gedenktages zur Befreiung von Ausschwitz erstmals Schüler*innen des 9. Und 10. Jahrgangs der Gemeinschaftsschule Meldorf (GMS) aktiv an der Gedenkfeier teil, indem sie Biografien verstorbener sowjetische Kriegsgefangener vorlasen.

Aus dieser gemeinsamen Aktion entwickelte sich der Gedanke an eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen der Gemeinschaftsschule Meldorf und der Initiative „Blumen für Gudendorf“. Ziele sind zum einen, die Erinnerung zu bewahren und besonders die Jugendlichen, die in Dithmarschen verwurzelt sind mit der eigenen Geschichte vertraut zu machen. Zum anderen sollen die Jugendlichen aktiv und kreativ die Erinnerungskultur weitertragen.

Projekte zur Erinnerungskultur gibt es für den 10.Jahrgang schon seit vielen Jahren in der Vorhabenwoche der GMS, die alljährlich im November stattfindet.

Als erstes Projekt ist für 2020 ein Kunstprojekt mit dem Dithmarscher Künstler Frank Speth geplant. Die Schüler*innen werden sich im Unterricht, unterstützt von Mitgliedern der Initiative „Blumen für Gudendorf“, mit dem Leben der Kriegsgefangenen allgemein und speziell mit denen im „Krankenrevier“ in Gudendorf beschäftigen. Anschließend sollen sie in Zusammenarbeit mit dem Künstler Frank Speth ihre Gedanken zu diesem Thema formulieren und in ein gemeinsam geschaffenes Kunstobjekt umsetzen.

Dieses Objekt wird dann im Bereich des Parkplatzes der Gedenkstätte aufgestellt. Es weist den Besuchern dadurch den Weg zu den Begräbnisstätten, stimmt sie aber auch mit den Gedanken der Schüler*innen auf den Besuch der Grabfelder ein.

Die Gedenkstätte wird viel von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion besucht, ist aber im näheren Umkreis eher unbekannt. Durch dieses Projekt soll erreicht werden, dass die Gedenkstätte bekannter wird und die Tatsache, warum es sie gibt, nicht in Vergessenheit gerät.

 

Ort und Jahr

Planungsphase: September/Oktober 2020

Praktische Umsetzungsphase: Modellieren der Tonskulpturen in Vorhabenwoche Nov. 2020; Brand der einzelnen Objekte bis Januar 2021 + ausbessernde Nachbereitung Februar 2021

Fundamenterrichtung: bis März 2021 – paralleles Erarbeiten der Schüler*innen-Statements

Aufstellen der Skulptur und Anbringen der Schüler*innen-Texte

Mai 2021: Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs - Enthüllung

Institution(en)

  • Gemeinschaftsschule Meldorf
  • Initiative „Blumen für Gudendorf“
  • Frank Speth, bildender Künstler aus Quickborn

Gruppengröße

25 Schüler*innen der Klassenstufe 10

Rahmenbedingungen

  • Vorhabenwoche (Schulprogramm) in Stufe 10 zu „Erinnerungskultur“
  • Praktisches Modellieren der Tonskulpturenteile in den Räumen der Gemeinschaftsschule
  • Brand der Tonteile im Atelier des Künstlers
  • Standort der Skulptur – Unterstützung durch Gemeinde Gudendorf

Zeitumfang (in den verschiedenen Phasen)

Planung: 2 Monate, Praktische Umsetzung: 7 Monate

Projektverlauf

Fächerübergreifendes: Einbindung der Thematik in den Geschichtsunterricht

Kern: fünftägige Vorhabenwoche zur praktischen Modellierung der Ton-Teile

Fächerübergreifendes: Erarbeitung von Texten zur Skulptur - Statements

Projektabschluss/Dokumentation

Foto-Dokumentaion der einzelnen Phasen

Abschlusstag wird der 8. Mai sein: Erinnerungstag + Enthüllung der Skulptur

Hauptansprechpartner

Kreisfachberaterin für Kulturelle Bildung: Karola Koch

Schulleiterin: Sabine Schwartz

Weitere Mitwirkende

Mitglieder der Initiative „Blumen für Gudendorf“

Verweise auf Begleitmaterialien

Archivmaterial der Initiative „Blumen für Gudendorf“ – u.a. Biografien

Sponsoren

  • Kulturförderfond des Kreises Dithmarschen
  • Gemeinde Gudendorf
  • GMS mit Beistellungen